Wo könnte ein Denkmal von Bertolt Brecht (1898–1956) besser stehen als vor dem Theater am Schiffbauerdamm? 1928 feierte seine »Dreigroschenoper« hier einen furiosen Erfolg, 1954 zog das von ihm und seiner Frau Helene Weigel gegründete Berliner Ensemble ins Haus, das bis weit nach Brechts Tod von dessen Theaterverständnis geprägt war. Seit 1963 ist sogar der Platz nach dem bedeutenden Dramatiker, Regisseur und Lyriker benannt.

Die überlebensgroße Bronzeskulptur hat Brechts Freund Fritz Cremer geschaffen. Beide kannten sich von einem Zusammentreffen in London 1936; nach dem Krieg ging ihr gemeinsamer Entwurf für die Figurengruppe des Buchenwald-Mahnmals als Sieger des Wettbewerbs hervor ¬– musste allerdings auf staatliche Anordnung hin mehrfach überarbeitet werden. Cremer war es auch, der zusammen mit Gerhard Thieme Brecht die Totenmaske abnahm, nach der Zeichnungen, Lithografien und Büsten entstanden. Vielleicht stand sie auch Pate für das Berliner Denkmal, an dem Cremer bereits von 1963 bis 1968 arbeitete; vollendet und aufgestellt wurde es allerdings erst 1988, zum 90. Geburtstag Brechts.

Brecht sitzt, milde lächelnd, auf einer kleinen Bank auf einem großen Rund, das an die Drehbühne erinnert, die Max Reinhardt in das Theater einbauen ließ und die Brechts Frau Helene Weigel mit einem Panzermotor perfektionieren ließ. Alle Wirkungsfelder Brechts sind an diesem Ort zusammengeführt: neben ihm das Theater, vor ihm, in die Steinplatten gemeißelt, sein Gedicht »Fragen eines lesenden Arbeiters«, an den Stelen Zitate aus seinen Schriften. Neben ihm bleibt ein Platz frei auf der Bank – vielleicht für einen seiner vielen Freunde und Weggefährten.

Axel Prahl

Der Sprecher: Den Schauspieler und Musiker Axel Prahl, 1960 in Eutin geboren, zog es nach einem Schauspielstudium und einem Engagement am Schleswig-Holsteinischen Landestheater nach Berlin. Hier wurde das Grips-Theater seine zweite Heimat, er spielte aber auch am Renaissance-Theater und den Kammerspielen des Deutschen Theaters. 1992 gab er sein Fernsehdebüt; in seinem ersten Kinofilm „Nachtgestalten“ spielte er einen Polizisten – eine Rolle, für die er immer wieder besetzt wurde, nicht zuletzt als Hauptkommissar Frank Thiel im Münsteraner „Tatort“.

Brecht ist für Prahl kein Unbekannter, schließlich verkörperte der Schauspieler 2006 in der von Dominique Horwitz inszenierten „Dreigroschenoper“ den Mackie Messer.