Fast 50 Jahre hat die Künstlerin Käthe Kollwitz (1867–1945) im Prenzlauer Berg gelebt, das zu ihrer Zeit das am dichtesten besiedelte Viertel in ganz Deutschland war. In der Weißenburger Straße (heute Kollwitzstraße) lebte die vierköpfige Familie, ihr Mann hatte dort auch seine Arztpraxis. Dort erlebte sie das Schicksal vieler arbeitsloser, hungernder und kranker Menschen, deren ausgezehrte Gestalten man in ihren Zeichnungen und Plakaten wiederfindet.

1947 nannte man den dort gelegenen Platz in Kollwitzplatz um, 1958 schuf Gustav Seitz das überlebensgroße Bronzedenkmal der sitzenden Künstlerin. Ihr ernstes Gesicht ist aus vielen ihrer Selbstbildnisse vertraut. Zwar hat Seitz ihr eine Skizzenmappe und einen Kohlestift in die Hand gegeben, doch ist Käthe Kollwitz ganz in ihre Gedanken versunken, reglos. Eine große Schwere scheint über der blockhaften Figur zu liegen – als laste all das auf ihr, womit sie sich ihr Leben lang in ihren Werken beschäftigt hat: Armut, Hunger, Krieg, der Tod. Ihre kämpferische politische Haltung erwuchs nicht zuletzt aus der eigenen leidvollen Erfahrung: Sie hat den Tod ihres jüngeren Sohnes im Ersten Weltkrieg und ihres Enkels im Zweiten Weltkrieg erlebt. Dem Druck der Nationalsozialisten, die sie 1933 aus der Preußischen Akademie der Künste ausschlossen, beugte sie sich nicht. Als eine der wenigen folgte sie 1935 dem Trauerzug ihres jüdischen Kollegen Max Liebermann.

Seit 1986 erinnert das Käthe-Kollwitz-Museum in der Charlottenburger Fasanenstraße an das bildhauerische und grafische Werk der Künstlerin. Eine ihrer bekanntesten Plastiken ist „Mutter mit totem Sohn (Pietà)“, von der 1993 eine vergrößerte Nachbildung für die Neue Wache Unter den Linden angefertigt wurde.

Katharina Thalbach

Die Sprecherin: Die Schauspielerin Katharina Thalbach, geboren am 19. Januar 1954 in Berlin, stand schon als Kind auf der Bühne. 1969 wurde sie in Helene Weigels "Dreigroschenoper" am Berliner Ensemble als Entdeckung gefeiert. Ab 1972 trat sie an der Berliner Volksbühne auf. Nach der Ausbürgerung von Wolf Biermann ging sie 1976 mit ihrer Familie nach West-Berlin. Danach war sie unter anderem am Schiller Theater Berlin, den Städtischen Bühnen Köln, dem Schauspielhaus Zürich und dem Théâtre de Chaillot, Paris, tätig. Einem breiten Publikum wurde sie durch ihre Rollen in Filmproduktionen wie Volker Schlöndorffs „Blechtrommel“ (1979) und Leander Haußmanns „Sonnenallee“ (1998/99) bekannt. 2012 spielte sie im Doku-Drama "Friedrich – Ein deutscher König" den alten Friedrich II. Seit 1987 ist sie auch als Regisseurin von Schauspiel- und Opernproduktionen tätig. Katharina Thalbach hat außerdem zahlreiche Hörbücher gesprochen, wofür sie 2014 den Deutschen Hörbuchpreis erhielt.

Für das Projekt „Talking Statues Berlin“ und die Idee, der Kollwitz-Plastik von Gustav Seitz ihre Stimme zu leihen, war sie schnell zu gewinnen: „Ich bin der Künstlerin Käthe Kollwitz schon seit Jahrzehnten sehr verbunden und habe mich sehr geehrt gefühlt, als mir diese Rolle angetragen wurde. Es ist ein großartiges Projekt, dem ich viel Aufmerksamkeit und Erfolg wünsche.“