Das Marx-Engels-Denkmal bildete von 1986 bis 2010 den Mittelpunkt einer parkartigen Denkmalanlage, dem Marx-Engels-Forum zwischen Palast der Republik und Fernsehturm. Das von der DDR-Regierung in Auftrag gegebene, von mehreren Künstlern geschaffene Ensemble stellte die Befreiung des Menschen aus unwürdigen Zuständen durch den Sozialismus dar und ehrte die in doppelter Lebensgröße aufragenden Marx und Engels als diejenigen, die diesen historischen Prozess beschrieben hatten. Neuberlinern ist das Marx-Engels-Forum kein Begriff mehr, die Kunstwerke findet man heute, wie vorübergehend abgestellt, in der Nordwestecke des früheren Platzes: Sie mussten dem Bau der U-Bahn-Linie 5 weichen. Aber selbst an ihrem neuen Platz macht das Doppelbildnis von Ludwig Engelhardt noch Eindruck und wird täglich von vielen Touristen fotografiert. Was einmal daraus wird, ist derzeit noch offen.

Der promovierte Rechtswissenschaftler, Philosoph und Historiker Karl Marx (1818–1883) und der Unternehmer und Philosoph Friedrich Engels (1820–1895) lernten sich 1842 kennen und blieben ihr Leben lang befreundet. 1847 gründeten sie in Brüssel den „Deutschen Arbeiterverein“ und verfassten 1848 gemeinsam die berühmte Programmschrift „Das Kommunistische Manifest“. Während der Revolution 1848/49 schrieben sie für die linksdemokratische „Neue Rheinische Zeitung“ in Köln, danach gingen beide nach London. 1864 beteiligten sie sich an der Gründung der „Internationalen Arbeiterassoziation“. Engels Stellung als Teilhaber der väterlichen Baumwollfabrik in Manchester ermöglichte ihm die Unterstützung des mittellosen Freundes. 1867 erschien das „Kapital“ von Marx, den zweiten und dritten Band brachte nach dessen Tod Engels heraus.

Gregor Gysi

Der Sprecher: Gregor Gysi ist promovierter Jurist und Mitglied des Deutschen Bundestags, seit Ende 2013 zudem Oppositionsführer. Als einer der wenigen freien Anwälte in der DDR vertrat er auch Mitglieder der politischen und kirchlichen Opposition. 1989/90 gestaltete er die Erneuerung der SED zur PDS mit, deren Vorsitz er bis Ende 1992 innehatte. Seit 2005 ist er Fraktionsvorsitzender der Partei „Die Linke“.

Gysi hat Friedrich Engels schon einmal seine Stimme geliehen, als er 2009 für das Hörbuch „Marx & Engels intim“ zusammen mit Harry Rowohlt aus den privaten Briefen der befreundeten Philosophen las.