Die Brüder Humboldt, der Physiker Hermann von Helmholtz, der Historiker Theodor Mommsen, der Physiker Max Planck – berühmte Wissenschaftler begrüßen die Besucher des Hauptgebäudes der Berliner Humboldt-Universität. 2014 hat sich eine zierliche Frau zu den Koryphäen in Marmor und Bronze gesellt: die österreichische Kernphysikerin Lise Meitner (1878–1968). Die Berliner Bildhauerin Anna Franziska Schwarzbach hat die lebensgroße Bronzestatue mit der zerklüfteten Oberfläche geschaffen. Konzentriert, ins Gespräch vertieft zeigt sie die Wissenschaftlerin. Anders als ihre männlichen Kollegen kommt Meitner ganz ohne Lehnstuhl, Gelehrtenmantel, Pult und Bücher aus. Es ist das erste Denkmal für eine Wissenschaftlerin in Deutschland überhaupt.

Lise Meitner steht da, als richte sie ihren Blick auf die Studenten vor ihr im Hörsaal. 1926 wurde sie als erste Frau an der Berliner Universität zur außerordentlichen Professorin berufen. Ihr Weg dorthin war schwierig: Auf ihr Abitur in Wien musste sie sich im Selbststudium vorbereiten, die Vorlesungen bei Max Planck in Berlin hörte sie heimlich – Frauen waren noch nicht zum Studium zugelassen.

Meitner machte zusammen mit dem Chemiker Otto Hahn wegweisende Entdeckungen auf dem Gebiet der experimentellen Kernphysik. Für die Kernspaltung von Uran und Thorium, die Hahn und sein Assistent Fritz Straßmann 1938 entdeckten und nachwiesen, lieferte sie die theoretische Deutung – bereits aus dem schwedischen Exil, in das sie geflüchtet war. 1933 war ihr wegen ihrer jüdischen Abstammung die Lehrerlaubnis entzogen worden. Die Mitwirkung am Bau der Atombombe verweigerte sie und engagierte sich nach Kriegsende für eine friedliche Nutzung der Kernenergie.

Sandra Maischberger

Die Sprecherin: Sandra Maischberger ist Journalistin, Moderatorin, Produzentin und Autorin. Sie moderierte zahlreiche Interviewsendungen wie „Live aus dem Schlachthof“ und „Talk im Turm“ (mit Erich Böhme). Bekannt wurden unter anderem ihre Interviews mit Altbundeskanzler Helmut Schmidt, die 2002 auch in Buchform erschienen. Seit 2003 greift sie in ihrer ARD-Talkshow „Menschen bei Maischberger“ aktuelle gesellschaftspolitische Themen auf.

Zu der im Ehrenhof der Humboldt-Universität geehrten Wissenschaftlerin hat sie eine besondere Beziehung. „Lise Meitner ist eine kluge und willensstarke Frau gewesen, deren Biografie mich sehr beeindruckt hat. Ihrem Denkmal meine Stimme zu leihen war mir eine große Freude. Ich wünsche den Talking Statues in Berlin Erfolg und viele Nachahmer.“