Heinrich Zille (1858–1929), der mit seinen teils derb-humorvollen, teils bitter-sarkastischen Darstellungen des proletarischen Milieus bekannt wurde, kam selbst aus einfachen Verhältnissen. 1867 zog die hoch verschuldete Familie aus Dresden nach Berlin, wo sein Vater eine Anstellung bei Siemens & Halske fand. Zille machte eine Lithografenlehre und arbeitete 30 Jahre lang für die „Photographische Gesellschaft“, bevor er 1907 freischaffender Künstler wurde. Er war Mitglied der Berliner Sezession und trat 1920 dem linken „Arbeitsrat für Kunst“ bei. 1924, mit 66 Jahren, wurde er auf Vorschlag Max Liebermanns in die Preußische Akademie der Künste aufgenommen.

Zilles Thema war das Leben der kleinen Leute. Mit Blick für die sprechenden Details hat er die überfüllten Kellerwohnungen, armseligen Dachkammern und schmutzigen Hinterhöfe geschildert, treffsicher verschiedene Typen wie die ausgezehrte Reisigsammlerin, den phlegmatischen Tippelbruder oder die freche Göre charakterisiert. Wer sich ein Bild machen will, wie die städtische Unterschicht in Berlin um die Wende zum 20. Jahrhundert lebte, muss Zilles Zeichnungen, Fotografien, Radierungen und Lithografien ansehen – zum Beispiel im Zille Museum im Nikolaiviertel. Die Stiftung Stadtmuseum, die Nationalgalerie und das Kupferstichkabinett besitzen Grafiken von ihm, die Berlinische Galerie verwahrt seinen fotografischen Nachlass.

Das helle Kalkstein-Denkmal, das den Künstler mit fixierendem Blick – als fasse er ein Motiv ins Auge – und dem unvermeidlichen Zigarrenstummel im Mund zeigt, stammt von dem Essener Bildhauer Thorsten Stegmann. Es wurde 2008, zum 150. Geburtstag Zilles, eingeweiht.

Walter Plathe

Der Sprecher: Walter Plathe hatte nach seinem Studium an der Staatlichen Schauspielschule in Berlin Engagements am Staatstheater Schwerin und am Berliner Theater der Freundschaft (heute Theater an der Parkaue). Zudem wirkte er in den 1970er und 1980er-Jahren in vielen DEFA-Produktionen mit. Von 1992 bis 2008 spielte er die Hauptrolle in der ZDF-Fernsehserie „Der Landarzt“.

Am Theater wurde er bekannt durch die Hauptrollen in „Die Abenteuer des braven Soldaten Schwejk“, „Der blaue Engel“, „Der eiserne Gustav“, „Das Vermögen des Herrn Süss“ und die Rolle im Solostück „Heute kein Hamlet“. Einige der Stücke wurden eigens für ihn geschrieben, so auch der „Zille“, den er an verschiedenen Bühnen verkörperte. Plathe ist auch Mitglied der Heinrich-Zille-Gesellschaft, die das Zille Museum ins Leben gerufen hat. „Zille ist mir als Bühnenfigur und Mensch über die Jahre sehr ans Herz gewachsen“, begründet er seine Teilnahme am Projekt „Talking Statues“. „Seinem Denkmal im Nikolaiviertel meine Stimme zu leihen, war für mich keine Frage. Ich hab‘ das gern gemacht und wünsche den Talking Statues in Berlin viel Erfolg.“